Archiv für September 2010

Ich bin so stolz auf euch!

Ach du! Wenn ich an dich denke, denke ich an guten Wein, rosige Bäckchen, unendliche Obstplantagen, schöne Autos und …unendliche Langeweile.
Meine (Geburtststations-)Heimat Schwaben!
Doch wehe dem, der den Frieden stört! Wehe dem, der a neues Bahnhöfle baue möchte! Da kennet mir nix!

Schon seit mehreren Wochen wird täglich protestiert, proklamiert, demonstriert und „geflashmobt“. Der Facettenreichtum gegenerischer Argumente reicht von sozial ungerecht bis „rettet die alten Bäume“ im Schlosspark. So versammelten sich heute mehrere tausend Demonstranten zu einer Sitzblockade (schwäbisch: „Hocketse“) bis die Situation eskalierte! Die Polizei musste Wasserwerfer und sogar Reizgas einsetzten um die Versammlung aufzulösen. Wie auf jeder ordentlichen Demo gibt es Augenzeugenberichte über brutale Polizeibeamte und durch Reizgas verletzte Demonstranten.

Ein verletzter Schwabe
Ein mächtig saurer Schwabe und ein verletzter Schwabe.

Wie auch immer man die Proteste gegen Stuttgart 21 werten mag, eins muss man den Schwaben lassen: Sie sind unglaublich ausdauernd! Das ist doch für einen Landstrich, der vor allem als Hochburg des Spießbürgertums von sich reden macht, ein sympathischer Imagewechsel.
Vielleicht werden Berliner die zugereisten (vielleicht auch entflohenen) Schwaben bald nicht mehr mitleidig belächeln, sondern vor allem fürchten! Wann gab es in einer deutschen Kleinstadt zuletzt derart leidenschaftliche und langanhaltende Proteste? Also liebe Stuttgarter, macht weiter, egal wie es ausgeht, für mich habt ihr bereits gewonnen ♥.

HOME

Neue Musik – Ja, mit großem „N“

Seit langem schon betreibt die Neue Musik-Szene einen Imagewandel vom elitären und extravaganten Kopfkonzert zum massentauglichen Klangereignis. Selten findet man sie in Konzerthäusern geschweige denn im Repertoire großer Orchester, doch die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit hat ihre Wirkung, und so entstehen kleine aber viele feine Festivals und Veranstaltungen.
Im Berliner Hauptbahnhof traf man in den letzten Tagen auf ernsthafte Menschen mit langen Haaren und dem ein oder anderen Geweih, die gerade Nouvelles Aventures von György Ligeti inszenierten. Wenn das Publikum nicht zu uns kommt, kommen wir zum Publikum! Die Reaktionen der Zuschauer, viele unter ihnen nur Durchreisende, sind eindeutig positiv: es wird viel gelacht, manchmal mitgesungen und immer kräftig applaudiert. Doch oft gibt weniger die Musik den schönen Impuls, als die einhergehende Performance. Der einzelne Künstler wird hier zum Darstellenden, der Bläser tantz und räkelt sich auf dem Boden, die Tänzerin beginnt zu singen oder zu wimmern, wie immer man es deuten mag. Ein interessantes Spektakel, aber an Nachhaltigkeit schwer zu unterbieten. Frau S. aus P. gesteht: „Es erweitert den Horizont aber Geld würd ich dafür keins zahlen.“

Noch bis zum 5. September im Hauptbahnhof Berlin.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:
Creative Commons Lizenzvertrag
Stocklog von Christina Makonnen steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.