Hau ab da!

Nach einer Trennung ist die Frage nach der Schuld eine befriedigende Genugtuung, denn jeder hat da so seine Argumente angestaut. Meistens jedoch gesteht man sich nach dem x-ten Streit ein, dass eine Antwort auf diese Schuldfrage gar nicht existiert.

Egal. Ich bin noch nicht so weit und ich habe tatsächlich einen Schuldigen gefunden! Ist das nicht klasse? Es geht um uns: die „Jungen“ und die „Alten“. Wenn „wir“ die erste Generation sind, der es schlechter geht als ihrer Elterngeneration, dann ist das „eure“ Schuld.

1. Ihr wollt nicht erwachsen werden!
Wie es das Mädchen aus dem Stück „Ferienlager“ treffend benannt hat: Pubertät 40 Plus. Ein Mädchen steht in der U Bahn vor dir und du denkst: „Coole Turnschuhe, schickes Oberteil, peinliches Tattoo.“ Doch dann dreht sich dieses absurde Monster um und statt in ein überschminktes Teeniegesicht zu sehen, zählst du schockiert die Krähenfüße und Zornesfalten im Gesicht einer alten Frau! Alter, hab ich mich erschrocken! Pubertät 40 Plus eben.

2. Ihr wollt keine Kinder!
Ach, im Job läuft es gerade so gut, und ja, wir sind schon seit 6 Jahren ein Paar aber feste Bindung würden wir das jetzt nicht nennen… Statt dessen wollen wir das Leben genießen solange wir noch – ähm – jung sind. Umherreisen, ein Buch schreiben, vielleicht eine Zeit im Ausland verbringen. Und ein Kind würde unter solchen Umständen nur vernachlässigt werden. Was soll so ein Knirps schon im Ausland? Beherrscht ja nicht mal die Sprache, der kleine Wurm, pff. Der soll erst mal Abitur machen und lernen auf eigenen Füßen zu stehen, anstelle von Papas Geldbeutel zu leben. Es muss halt jeder für sich selbst sorgen, sprach der Egoist.

3. Ihr macht Kinderarbeit!
Den ganzen Tag vorm Laptop sitzen und lustige Bilder malen ist doch ein cooler Job. Das mach ich schon seit zwanzig Jahren. Ja, manchmal gehen mir die Ideen aus, aber wir haben hier immer wieder Praktikanten, die neuen Schwung reinbringen. Da haben wir älteren natürlich eine gewisse Pflicht unser Wissen weiterzugeben und den jungen Leuten Berufserfahrung zu vermitteln. Ein Praktikum kann einen echt weiterbringen und vielleicht finden sie dadurch irgendwo in irgendeinem anderen Unternehmen einen Job. Kann doch sein, wer weiß?

Tataaa! Schuldigen gefunden! Ist echt eine Genugtuung! Es ist nämlich gar nicht die Wirtschaftskrise oder die Wissensgesellschaft oder der Jugendliche mit Migrationshintergrund oder die böse Wiedervereinigung oder der Bachelor oder die längere Lebenserwartung, sondern das seid „ihr“!
Ihr macht einfach keinen Platz, ihr verteidigt sozusagen den Status Quo eurer Generation seit vielleicht den Neunzigern, deshalb stecken wir unweigerlich in unserer „Kindergeneration“ fest. Und deshalb kommen euch eure Eltern so alt und so weit entfernt vor und wir, die echten Jungen, kommen euch vor wie Kinder und die echten Kinder kommen euch vor wie Hauskatzen. Weil ihr eingefahren seid! Weil ihr euch nicht bewegt! Woran klammert ihr euch? Ihr werdet sowieso alle sterben! Mann, das regt mich auf! Aber es tut echt gut zu wissen, dass es nicht an mir liegt, hehe.


1 Antwort auf „Hau ab da!“


  1. 1 Olga 10. Mai 2011 um 0:06 Uhr

    Es werden so viele Praktika angeboten und so wenig Jobs in Berlin. Man selbst als alter Hase muss aufpassen, das man nicht zum ewigen Praktikanten wird. Ich kenn da so einen, der hat in mehreren sehr bekannten hippen Designagenturen Praktika verrichtet. Es ist demütigend aber in Deutschland ganz normal mit Mitte, Ende 20 ein Praktikant zu sein. Wie soll man auch sonst zu Arbeitserfahrung gelangen. Die Firmen sind nicht ehrlich beim Einstellen, sie gaukeln einem vor man haette eine Chance damit man sich in Zeug fuer sie legt. Diese elenden Hunde!

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